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22 Ironmanrennen sind um den Globus verteilt, um alljährlich die besten Teilnehmer für die im Oktober auf Hawaii stattfindende WM zu casten. Wie stark sind diese Qualifikationsrennen sportlich einzuschätzen und wie bereiten sich die Besten der Besten auf Hawaii vor? Sowie was bedeutet der Titel „Bester Österreicher“ wirklich?
Eine Analyse von Gerald Dygryn (Finisher, November 2008)
Um die Qualität einer sportlichen Leistung, um Weltklasse in einer
Sportart zu definieren, kann es verschiedene Betrachtungsweisen geben.
Der Maßstab Wettkampfzeit hat bei Sportarten Relevanz, bei denen die
Distanzen fest vorgegeben und überall auf der Welt exakt reproduzierbar
sind, wie es zum Beispiel beim Schwimmen und in den meisten
leichtathletischen Laufdisziplinen der Fall ist. Um bei der Analyse
verschiedenartige Streckenprofile auszugleichen, wird oft die
Möglichkeit herangezogen, den prozentuellen Abstand von Platzierten zum
Sieger zu betrachten. Im Falle des Ironman sollte man sich an dieser
Stelle allerdings noch einer weiteren Methode bedienen.
Dabei geht man von einem bedeutenden, alles überstrahlenden Wettkampf wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften aus, bei dem es aus sportlichen, aber auch wirtschaftlichen Gründen für die besten Sportler der Welt wichtig und existentiell ist, gut abzuschneiden. Man kann dann als Prämisse annehmen, dass bei diesem Wettkampf alle Sportler bestens vorbereitet an den Start gingen. Aus der Betrachtung der Ergebnisliste werden dann Rückschlüsse die sportliche Dichte betreffend gezogen (Anm.: wie viele Athleten sind zum Beispiel innerhalb drei Prozent von der Siegerzeit). Aus den Abständen einzelner Sportler zum Sieger wiederum, kann man dann deren aktuellen Leistungsstand ablesen.
Beim Ironman Sport kann ohne Zweifel Jahr für Jahr die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii als Wettkampf dieser Güte eingestuft werden. Nirgendwo anders ist ein Sieg publikums- und sponsorenwirksamer. Nirgendwo anders gibt es eine derartige Breite an professionellen Startern. Betrachten wir also die Top Ten des Ironman Hawaii 2008 als Maßstab. Bei welchen und wie vielen Wettkämpfen waren die Athleten in der Saison am Start und wie erfolgreich waren sie dort? Oder anderes herum: gab es Sportler, die auf Big Island vorne lagen, aber bei anderen Ironmanrennen das Nachsehen hatten?
Die erste Analyse
ergab überraschend, dass in der Vorbereitung anscheinend alles erlaubt und kein Allheilmittel für den Erfolg – und wir reden nun ausnahmsweise nicht von verbotenen Substanzen - erkennbar ist.
Eine einheitliche Vorgehensweise bei der Vorbereitung war jedenfalls nicht zu finden. Ebenso konnte in den meisten Fällen kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen bereits bestrittenen Wettkämpfen und der Leistung auf Hawaii erkannt werden. Dennoch ist eine detaillierte Betrachtung interessant.
Die 70.3 Champs Craig Alexander (1. auf Hawaii) und Andy Potts (7.) bestritten keinen Ironman im Vorfeld. Cameron Brown (5.), Patrick Vernay (6.) und Matthias Hecht (8.) hatten hingegen schon zwei in den Beinen, bevor sie sich auf das Rennen im Pazifik konzentrierten.
Ronnie Schildknecht (4. Hawaii / Sieger beim IM Switzerland), Brown (IM New Zealand), Vernay (IM Western Australia und IM Australia), sowie Eduardo Sturla (10. / IM Brasil) gewannen bereits 2008 ein großes Rennen, während Rutger Beke (3.) mit einem fünften Platz beim Ironman Nizza nur als Nachrücker nach Hawaii kam.
Sehr wage
sind also in dieser Hinsicht Aussagen und Empfehlungen zu treffen. Mit Ausnahme der Binsenweisheit, dass es wichtig ist, den letzten Ironman in entsprechendem zeitlichen Abstand zum Oktober zu legen. Damit sind die Australier und Neuseeländer gegenüber den Mitteleuropäern bevorzugt. Will zum Beispiel Cameron Brown (NZL) seinen einheimischen Sponsoren und Medien einen Sieg schenken, so weiß er, dass er mit 80-90% seiner Topform im März auf Neuseeland sehr gute Chancen hat zu gewinnen, um danach sieben Monate Vorbereitung für den wichtigen Oktober zu haben. Die Rennen in Deutschland, der Schweiz und Österreich liegen im Juli und sind demnach schon wesentlich schwieriger in eine gute Planung zu integrieren, wie wohl sie für den jeweiligen Lokalmatador natürlich ebenfalls von großer Bedeutung sind.
Als selbstzerstörerisch kann nicht nur der die emotionale Renneinteilung, sondern auch die ebensolche Wettkampfplanung von Faris Al Sultan 2008 gesehen werden. Ein zugegeben überlegener Sieg im Februar auf Malaysien, hat außer der aufgrund der dort vorhandenen fehlenden Konkurrenz fragwürdigen Erhöhung des Selbstvertrauens, keine nachhaltige Wirkung gehabt. Was bleibt, sind zwei für ihn sicher enttäuschende Rennen in Frankfurt und Hawaii. Ein Erfolg dort, wäre aber fraglos für Al Sultan wesentlich bedeutungsvoller gewesen.
Konkreter
wird es allerdings schon bei der Betrachtung der Dichte der unterschiedlichen Rennen.
Der einzige Wettkampf, der aus der Sicht der Besetzung in die Nähe der WM kommt, dürfte wohl der Ironman Germany in Frankfurt sein. Eneko Llanos wurde da wie dort Zweiter. Der Dritte von Frankfurt Timo Bracht, lief in Kona als Fünfter ein, musste aber aufgrund eines Missverständnisses zwischen ihm und einem Wettkampfrichter auf der Strecke, schlussendlich disqualifiziert werden. Auf seinen Platz rückte der Vierte vom Rennen am Main, Cameron Brown vor. Und dass der Sieger des IM Germany (Chris Mc Cormack) auch auf Hawaii gewinnen kann, hatte er bereits 2007 bewiesen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass eine Spitzenplatzierung am Main, das Potential einer ebensolchen am Pazifik verspricht.
Alle anderen Qualifikationsrennen können mit Frankfurt nicht mithalten. Sie werden teils von Spitzenathleten die Hawaii Top Ten Potential haben überdominiert, so wie Malaysien 2008 als Faris Al Sultan wie schon erwähnt 30 Minuten Vorsprung auf den Zweiten Petr Vabrousek hatte. Andere sind wie Arizona generell so schwach besetzt, dass der Sieger Joszef Major am Ende auf Hawaii nur 41. wird.
Äpfel und Birnen?
Wie kann man also Ironmanrennen untereinander vergleichen? Wie können österreichische Profis und andere ihre eigene Leistung im Bezug zur Weltklasse, die ja das Maß sein sollte, einschätzen? Wann ist man Weltklasseathlet und wann gehört man zur erweiterten Spitzenklasse?
Die inflationäre Zunahme der Anzahl an Rennen dieses Markennamens, macht alle Absichten, dies herauszufinden schwierig bis unmöglich.
Immer wieder gibt es bei den Wettkämpfen neue Namen auf den Siegerlisten. Neue Gesichter, die teilweise wie Phönix aus der Asche steigen, oder frühere Agegrouper, die sich mutig der Herausforderung stellen. Nur ganz selten, findet man mehr als zwei Top Ten WM Finisher, gemeinsam hinter der Startlinie eines Qualifiers. Nachteil: Vergleich unmöglich. Doch wie immer gibt es zwei Seiten der Medaille. Bei 22 Ironmanrennen weltweit ist es deutlich einfacher einen Podiumsplatz zu erringen, als wenn es nur zehn davon gäbe. Dieser Podiumsplatz ist wiederum leicht zu vermarkten und erleichtert damit das ohnedies von Opfern geprägte Leben eines Triathlonprofis.
Aber macht das sportlich Sinn? Wie kann man im Spannungsfeld zwischen notwendiger Vermarktung und wirklich sportlicher Spitzenklasse nicht zerrieben werden? Wonach sollte man seine Wettkampfplanung richten? Nach einer Chance fürs Podium, nach einem guten Heimrennen, oder nach der bestmöglichen Vorbereitung gegen die besten der Welt? Wofür man sich ja schließlich auch erst qualifizieren muss.
Die Antwort
liegt sicherlich bei der Zielsetzung jedes einzelnen Athleten. Will man schnell in regionale Medien und benötigt man Sponsoren aus der Gegend, bietet das System Ironman die Möglichkeit im Vergleich zur Olympischen Distanz ziemlich einfach seinem Umfeld einen Podestplatz präsentieren zu können, um damit sein Ziel zu erreichen.
Hat man sich aber das Ziel gesetzt, ganz nach vorne zu kommen, wird man nicht herumkommen, Rennen zu wählen, die zwar kurzfristig schlechte Platzierungen befürchten lassen, aber durch das Auseinandersetzen mit der Stärke und der Taktik der Besten der Besten, am Ende einen großen Schritt vorwärts garantieren. Im Falle des Ironman liegen diese Rennen in Frankfurt und mit Abstrichen in Australien und Neuseeland.
Es ist ein langer Weg an die Spitze einer Sportart.
Im Wesentlichen muss man zehn Jahre wirklich professionellen Trainings planen, um seinen persönlichen Zenit zu erreichen, den man dann für einige Jahre halten kann. Eine professionelle Zielsetzung, Planung, Steuerung und Analyse, gehören neben Talent und Willensstärke zu den Basics, um sich aus der Masse hervorzuheben. Ist man sich dessen bewusst und schafft man es der Versuchungen des schnellen Euros und der eigenen Eitelkeit zu widerstehen, sollte man immer die Herausforderung mit der Weltelite suchen, um am Ende, bei entsprechenden körperlichen Potential, selbst dazuzugehören.
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