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Die Staatsmeisterschaften auf der Olympischen Distanz brachten in diesemJahr sowohl bei den Herren als auch bei den Damen mit Lukas Hollaus und EvaWutti neue Gesichter am obersten Treppchen. Beide hatten schon drei Wochenzuvor beim Ironman 70.3 in St. Pölten ihren großen Auftritt. Nur Zufall? Eine Analyse von Gerald Dygryn, Finisher 04/2011
Der Tag der Staatsmeisterschaften ist ein Tag des Triathlons auf der WienerDonauinsel. Statt torkelnden Klapprädern, kläffenden Hunden und Nacktbadern nurMenschen in Einteilern und Kompressionsstrümpfen. Komplettsperre. Unglaublich,wie das Gerhard Seidl und sein Team Jahr für Jahr schaffen und unglaublichauch, wie viele Bewerbe an einem Tag abgehandelt werden können. Der 10. Juni begann triathletisch um 8.40 mit dem Junioreneuropacup derDamen. 53 Mädchen fanden sich in der Startzone bei der Reichsbrücke ein.Darunter auch neun Jugendliche und fünf Juniorinnen die unter sich dieÖsterreichischen Meisterinnen suchten. Der Tatsache, dass viele Jugendlicheaufgrund der internationalen Beteiligung und der Regel, dass eine Überrundungbeim Radfahren die Disqualifikation zur Folge hat, von der Teilnahmeabgeschreckt werden, soll ab dem kommenden Jahr damit entgegengetreten werden,in dem versucht wird die ÖM der Jugendlichen in einem eigenen Bewerbdurchzuführen. Eine gute Idee, weil man doch gerade in diesem Alter einmöglichst großes Pool an Talenten braucht, aus dem man schöpfen kann. Für die beste Nachwuchsathletin des Landes war die starke und ältereKonkurrenz jedoch kein Problem. Die von Mario Kapler trainierte KärntnerinAlina Hambrusch erwischte zwar ein schwaches Schwimmen mit beinahe zwei MinutenRückstand - aus österreichischer Sicht war nur Theresa Moser in der Spitze zufinden - konnte aber aufgrund einer starken Radleistung der Spitzengruppe immernäher kommen. Die Stärke von Hambrusch sollte jedoch erst kommen. Sie lief indem nicht nur die schnellste Laufzeit, sondern war damit auch flotter alsbeinahe alle österreichischen Burschen im Rennen danach. Nur die Junioren Bader(knapp) und Knabl (deutlich) liefen schneller. Am Ende wurde sie dadurch knappvor der Tirolerin Moser (7.) fünftein der Europacupwertung. Gemeinsam mit Julia Hauser, die in erstem richtigenJahr als Triathletin ein starkes Rennen zeigte, werden die drei auch dieösterreichischen Farben bei der Junioren EM in Pontevedra vertreten. Klein aber fein Das Feld der Damenmeisterschaften war wie immer überschaubar. Dies sollteder Spannung allerdings keinen Abbruch tun. Aufgrund der Abwesenheit vonWaldmüller und Perterer schien alles für einen Sieg der Tirolerin IrinaKirchler zu sprechen. Doch Geschenke gibt es bei Staatsmeisterschaften selbstdann nicht, wenn man wie Kirchler Geburtstag hat. War es zuerst die WienerinTanja Stroschneider, die der Neumodedesignerin die Show stahl und ihr zweiMinuten im Wasser abnahm, so war schon bald danach klar, dass auch der ShootingStar der Saison, die 22 jährige Kärntnerin Eva Wutti Avancen auf den Titelhatte. Sie stieg gemeinsam mit Kirchler aufs Rad und machte von Beginn anderart Druck, dass die Spitze bestehend aus der Tschechin Simakova undStroschneider schon innerhalb von acht Kilometern eingeholt werden konnte. Abdann wurde am Rad gebummelt. Die Entscheidung musste beim Laufen fallen. BeiKilometer Zwei lagen die gleich nach der Wechselzone enteilten Wutti undKirchler noch Schulter an Schulter, doch an der Verpflegstation kurz danach,konnte sich die in Wien studierende Kärntnerin schon einen kleinen Abstandverschaffen. Wutti, die im September ihren ersten Staatsmeistertitel auf derMitteldistanz gefeiert hatte, lief fortan ungefährdet ihrem zweiten Titel - diesmalauf der kürzeren Strecke - entgegen. Sie siegte mit über einer Minute Vorsprungauf Kirchler und der stark laufenden Steirerin Romana Slavinec. Wutti ist damitseit ihrem Sieg bei der Tri Motion im September des Vorjahres von keinerÖsterreicherin mehr geschlagen worden und gab nach dem vierten Platz in St.Pölten den neuerlichen Beweis ihres sehr großen Talentes ab. Flotte Burschen Rasant ging es weiter mit dem Junioreneuropacup der Herren. DieVeranstalter konnten sich über die Premiere eines komplett vollgefülltenStarterfeldes freuen, wodurch einmal mehr die Attraktivität des Geländes in derneuen Wiener City bestätigt wurde. Der Oberösterreicher Peter Nemeth dominiertedas Schwimmen. Louis Knabl konnte bis auf fünf Sekunden an dem ehemaligenSpitzenschwimmer dran bleiben, was zu dem erfreulichen Zwischenergebnis führte,dass am Ende der 750 m langen Schwimmstrecke zwei Österreicher an der Spitzedes Feldes zum Rad liefen. Die Spitzengruppe blieb vorne unter sich, dochdahinter kam es zum großen Zusammenschluss der Verfolgergruppen. Beim Laufenwar der Tiroler Knabl der einzige der mit den Schnellsten mithalten konnte. Mitder drittbesten Laufzeit wurde er Gesamtdritter und verteidigte seinen Titelals österreichischer Juniorenmeister. Bis zur Junioren EM wird er sich sichernoch steigern können, um die Chance haben, den ersten heimischen Junioren EMTitel nach Hause zu holen. Vielstarter Höfer Krönender Abschluss der Meisterschaftswettkämpfe sollte das Rennen derHerren sein. Außer Andreas Giglmayr, der sich auf Kitzbühel vorbereitete, fehlteniemand der Kurzdistanzcracks. Selbst der mehrfache Meister Franz Höfer ließsich trotz der Mehrfachbelastung mit ÖM, WCS und EM drei Rennen in drei Wochenzu haben den Start nicht nehmen. Da sich aber auch Mittel- undLangdistanzspezialisten wie Max Renko, Nico Wihlidahl, Lukas Hollaus, GeorgSwoboda oder Philipp Podsiedlik angesagt hatten, warteten alle gespannt auf dasDuell Kurz gegen Lang. Überragend beim Schwimmen war Paul Reitmayr. Sichpermanent umdrehend und locker schwimmend dominierte er das Feld und stiegsechs Sekunden vor Andreas Kopeinig und 30 vor Franz Höfer aus dem Wasser.Jetzt sollte die Zeit der Radfahrer kommen und da Renko aufgrund seinerintensiven Vorbereitung für den Ironman müde war, musste eben Wihlidal Druck machen. Er fuhr mit derüberlegen besten Radzeit teilweise alleine von Gruppe zu Gruppe vor undschaffte es trotz beinahe drei Minuten Rückstand nach dem Schwimmen am Ende der40 km die Spitzengruppe zu erreichen, wobei er ähnlich einer Lokomotive sehrviele seiner Kontrahenten nach vorne mitgezogen hatte. Schnell wurden beimLaufen die Positionen bezogen. Vorne die Salzburger Hollaus und Höfer, dann mitRespektabstand Gaggl, Reitmayr und Lorbeer und dann alle anderen. Der Kampf umden Titel war eine Wiederholung des Vorjahresduells. Damals hatte ihn Hollausnicht zuletzt auch aufgrund des Fehlers unerlaubt Hilfe anzunehmen verloren.Als wollte er allen beweisen, dass er es kann, ließ er Höfer am letztenKilometer stehen und feierte im Ziel seinen ersten Staatsmeistertitel mit einemVorsprung von 16 Sekunden. Im Sprint um Platz drei setzte sich wortwörtlich umHaaresbreite Reitmayr vor Lorbeer und Gaggl, der als Fünfter U-23 Meisterwurde, durch. Kooperationen braucht das Land Hollaus und Wutti als Staatsmeister. Die eine drang in St. Pölten direkt indie Weltspitze vor, der andere war an der gleichen Location, der beste allerAgegrouper. Ihre Erfolge und auch die tolle Leistung von Wihlidal auf Platzsechs, könnte, auch wenn die besten auf dieser Distanz gefehlt haben, alsFingerzeig gesehen werden. Sie sind genauso wie Renko, der die drittbesteLaufzeit erzielte, Podsiedlik oder Leitner nicht beim Heer, werden von keinemFördersystem unterstützt und schaffen es dennoch Jahr für Jahr große Schrittenach vorne zu machen und sie zeigen, genauso wie Gomez und die Brownlees, dasses auch auf der Kurzdistanz immer wichtiger ist, stark am Rad zu sein. DenSport durch Heereszugehörigkeit oder Förderungen professionell ausüben zukönnen, darf nie das alleinige Ziel eines Sportlers sein. Vielmehr muss diesesPrivileg genutzt werden, um alles zu tun international an die Spitze zu kommen.Auf der anderen Seite haben die heimischen Langdistanzathleten durch die Banknoch Defizite im Schwimmen. Durch das Schaffen von Systemen in dem einMiteinander unterstützt wird, in dem jeder von den Stärken des anderenprofitiert, könnte man eine wirklich starkes österreichischen Triathlonteamformen, das auch international auf allen Distanzen reüssieren könnte.
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