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Das Leben eines Weltklassetriathleten auf der Olympischen Distanz verläuft im Vierjahrestakt. Natürlich gibt es alljährlich Kontinentalmeisterschaft, World Championship Serie und WM-Finale, doch der große Tanz findet nun mal bei Olympia statt. Wie schon in Sydney, Athen und Peking werden auch für London zwei Jahre vor Beginn der Spiele die Qualifikationsrichtlinien herausgegeben. Ab Juni 2010 beginnt der triathletische Kampf um die 110 begehrtesten Tickets im Profitriathlon. Finisher stellt exklusiv den Modus vor.
Eine Analyse von Gerald Dygryn (Finisher, Februar 2010)
Bevor wir uns den von der ITU vorgeschlagenen Kriterien der Qualifikation für London 2012 widmen, muss erfreulicherweise berichtet werden, dass das ÖOC im Januar 2010 und hier vor allem sein neuer Präsident Dr. Karl Stoss, für die aktuellen Winterspiele in Vancouver vorgab, dass es für die Qualifikation in die österreichische Winterolympiamannschaft reichen würde, wenn man die Norm des internationalen Verbandes erreicht. Auf zusätzliche ÖOC Normen wird also verzichtet. Hätte dieser Modus schon 2008 gegolten, wäre Franz Höfer viel Kummer erspart geblieben und er wäre Olympiastarter gewesen. Für 2012 kann man nun hoffen, dass die Regelung nicht wieder umgestoßen wird, weil sich dadurch weitaus größere Chancen für den ÖTRV in einer sicherlich sehr schwierigen Qualifikationssituation ergeben könnten.
Der Modus
Wie in Peking werden auch in Englands Hauptstadt 55 Damen und Herren den olympischen Triathlon bestreiten. Platz 1 bekommt das Gastgeberland. Allerdings nur dann, wenn es die Briten nicht schaffen auf sportliche Art und Weise einen Startplatz zu ergattern. Da dies auszuschließen ist, wird es 2012 also voraussichtlich einen Platz mehr als in Athen und Peking geben, wo sich griechische bzw. chinesische Athleten durch den herkömmlichen Modus nicht gualifiziert hätten und auf das Gastgeberticket angewiesen waren. Die Plätze 2 und 3 werden als Wild Cards spätestens im Juli 2012 vergeben. Wie immer werden die Startplätze von der ITU stets an ein Land und niemals an einen Sportler vergeben. Maximal acht Nationen werden das Recht haben mit drei Athleten an den Start zu gehen. Alle weiteren dürfen maximal zwei pro Geschlecht auf die Insel schicken. Das hervorragende Ergebnis, dass Österreich 2008 bei den Damen zu den besten acht Nationen gehörte, wird schwer zu erreichen sein. Die Plätze 4 bis 8 erhalten jeweils die Sieger der Kontinentalqualifikationsrennen, die zwischen dem 1. Mai 2011 und dem 30. April 2012 stattfinden werden müssen. Weiters wird es im Jahr 2011 ein World Olympic Qualification Event geben, bei dem für die besten 3 die Plätze 9 bis 11 für London vergeben werden. Sollte sich der Sieger der Kontinentalmeisterschaften auch auf dem Podium dieses Rennens befinden, so wird nach Rangliste dieses Qualifikationsevents nachgerückt. Für die Plätze 12 bis 50 - beziehungsweise 51, wenn man davon ausgeht, dass die Briten einen Platz sicher erringen können - wird eine ITU Qualifikationsrangliste herangezogen, die vom 1. Juni 2010 bis 31. Mai 2012 geführt wird. Die verbleibenden, letzten fünf Plätze werden schließlich an die Führenden der jeweiligen Kontinentalranglisten vergeben, wobei im Falle von Überschneidungen - ein Athlet darf jeweils nur einen Platz für sein Land gewinnen - dieser Platz auch von der Qualifikationsrangliste übernommen wird. Die ITU teilt dann am 23. Juni 2012 dem ÖTRV mit, wie viele Plätze er zur Verfügung hat, woraufhin dieser seinen Vorschlag der zu nominierenden Sportler an das ÖOC leitet, welches die endgültige Entsendung vornimmt. Das von der ITU vorgegebene Mindestkriterium für einen Sportler an den Olympischen Spielen teilzunehmen ist Platz 140 auf der Olympiaqualifikationsrangliste, der WCS Championshiprangliste oder der ITU Rangliste.
Bekanntgabe der Traumerfüllung
Am 7. Juli 2012 werden am Ende zweier harter Jahre und nach Abschluss vieler Formalitäten die 55 Starterinnen und Starter des olympischen Triathlonrennens feststehen. Bisher war noch bei allen Spielen zumindest ein Österreicher am Start. Johannes Enzenhofer in Sydney, Kate Allen, Eva Dollinger und Norbert Domink in Athen, sowie Kate Allen, Eva Dollinger, Tania Haiböck und Simon Agoston in Peking. Damit das auch 2012 so sein wird, hat der ÖTRV unter dem neuen Sportdirektor Robert Michlmayr ein strenges Kader- und ein professionelles Vorbereitungskonzept erarbeitet. Am Beginn dieser neuen „Erfolgskultur" steht ein sechswöchiges Trainingslager des Kaders in Florida, das durchgängig durch Trainer und Mediziner betreut wird und bei dem der Sportdirektor selbst sechs Wochen vor Ort ist und als Schwimmtrainer fungieren wird.
Was gibt es Neues im ÖTRV?
Neben der grundlegenden Neustruktur der Kader müssen sich nun auch die Kadermitglieder, vor allem jene, die beim Bundesheer beschäftigt sind, noch klarer zum Profisport bekennen. Studium oder andere Nebenbeschäftigungen müssen hintan gestellt werden. Ein professionelles Umfeld mit ausgebildeten und professionellen Trainern sowie eine leistungsorientierte Trainingsplanung, die über das System Web4Trainer dokumentiert werden muss, sind Grundvoraussetzung. Ein Weg, der von vielen Nationen schon lange beschritten wird, wird nun auch vom ÖTRV eingeschlagen. Es wird vielleicht ein wenig Geduld benötigen, aber auf Dauer hat nur eine derartige stark leistungsorientierte Kaderstruktur die Chance auf nachhaltigen Erfolg. Die Einteilung der Kader „Triathlon Olympische Distanz" wurde 2010 ebenfalls verändert. Das höchste Level, das erreicht werden kann, ist das „ÖTRV Nationalteam". Im Moment ist niemand auf diesem Niveau eingestuft, wobei 1 Top 10,2 Top 20 oder 3 Top 30 Platzierungen bei WCS Rennen als Norm zu erfüllen sind. Im ÖTRV Kader „Elite/U23" stehen bei den Damen die Tirolerin Irina Kirchler sowie die Wienerin Lydia Waldmüller in den Startlöchern den Sprung zur Weltklasse zu schaffen. Bei den Herren hat sich sehr viel im Umfeld getan. Während die Vorarlberger Dominik Berger und Paul Reitmayr unter Aufsicht von Marcel Diechtler trainieren, bereitet sich der Salzburger Andreas Giglmayr beim Profitrainer Darren Smith in Australien vor. Manuel Wutscher kann endlich im April ins Heeressportzentrum einrücken und wird von da an in Wien unter verbesserten Bedingungen und täglicher Trainerbeobachtung trainieren, wobei er innerhalb der nächsten sechs Monate entsprechend gute Leistungen zeigen muss, um seinen Bundesheer-status zu behalten. Franz Höfer wird nochmals einen Versuch starten sein großes sportliches Ziel Olympia zu erreichen. Außerdem dabei in Florida: der aktuelle deutsche Meister Thomas Springer, der für das ÖTRV Team sicher eine Bereicherung darstellt sowie die Mitglieder des Sichtungskaders Lukas Hollaus, Tanja Stroschnei-der, Christoph Lorber und die Nachwuchshoffnungen Lisa Perterer, Alois Knabl und Andreas Kopeinig. Bevor aber der Angriff auf London gestartet wird, bereitet sich der 18-jährige Tiroler Alois Knabl auf ein ganz großes Event in diesem Sommer vor. Er darf Österreich bei den 1. Olympischen Jugendspielen vom 14. - 26. August in Singapur vertreten und hat nach den Erfolgen der letzten beiden Jahre auch Chancen sich und sein Land gut in Szene zu setzen. Wie jedes Jahr stehen uns also auch 2010 viele aufregende Momente bevor, die uns hoffentlich nicht zuletzt auch wegen der Erfolge österreichischer Athleten viel Freude bereiten werden.
OLYMPIAPLATZ DAMEN/HERREN ART DER QUALIFIKATION
1-5: Sieger der Kontinentalmeisterschaften zwischen 1.5.2011 und 30.4.2012
6-8: Podium des World Olympic Qualification Events zwischen 1.5.2011 und 30.4.2012
9-47: ITU Qualifikationsrangliste vom 1.6.2010 bis 31.5.2012
48-52: Sieger der Kontinentalranglisten
53: Gastgeberland
54,55: Wild Cards von der ITU Kommission zwischen dem April und Juli 2012 zu vergeben
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