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Die Wahrheit liegt in der Mitte
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Nicht zu kurz und nicht zu lang – eine Analyse über die Entwicklung der Mitteldistanz in Österreich von Gerald Dygryn Nur Vorarlberg und überraschenderweise die bekanntermaßen triathlonverrückten Bundesländer Tirol und Kärnten haben bis jetzt dem Ruf nach einer Mitteldistanz widerstehen können! Ansonsten sind alle Bundesländer - interessanterweise zu meist in ihren Hauptstädten - im Terminkalender 2008 mit einer Distanz über 2 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und 21 km Laufen vertreten. Und die Nachfrage nach „dem Halben“ ist enorm. Rund 2 500 Menschen werden alleine am 24. Mai 2008 in Linz, Graz und St. Pölten ihrer Leidenschaft frönen und eine Woche später wird auch in Wien über den Mitteldistanzsieg gedreikämpft. Wie im letzten Jahr gibt es also wieder eine unglaublich hohe Termindichte über diese Streckenlängen am Ende des Mai. Zurückzuführen ist das im Wesentlichen darauf, dass viele Triathleten die Mitteldistanz als Vorbereitungswettkampf für den Ironman Austria am 13. Juli 2008 bestreiten! Doch im Unterschied zum letzten Jahr, wird es 2008 auch eine zweite Saisonhälfte für „Mitteldistanzler“ geben. Neben der TriMotion (30.08.), die traditionell am Ende des Sommers stattfindet, haben nun auch die Veranstalter des Waldviertel Eisenmanns (23.08.) eingesehen, dass zwei Veranstaltungen in Niederösterreich nur zu weit voneinander entfernten Terminen überleben können und schließlich hat man sich bei dem zum 21. Mal ausgetragenen Austria Triathlon Podersdorf (30.08.) am Neusiedler See auch durchringen können, Mittel- und Langdistanz nebeneinander anzubieten!Damit ergibt sich in diesem Jahr für etwa 4000 Menschen die Möglichkeit Wettkampferfahrung bei einem Halbironman zu sammeln. Und diese Tendenz ist mit Sicherheit steigend!Doch was macht den Reiz dieser Strecke aus? Warum ist das Rennen mit dem weitaus teuersten Preisgeld das am stärksten besuchte?Ein Trugschluss wäre es die Beliebtheit der Mitteldistanz nur darin zu suchen, dass sie sich hinsichtlich Renneinteilung, Ernährung und Taktik bei entsprechendem zeitlichem Abstand recht gut als Vorbreitungsrennen für einen Ironman eignet. Für ambitionierte Sportler, die ein Ironmanziel von elf Stunden oder darunter haben, ist dies bei vier bis sechs Wochen Abstand zum Hauptwettkampf trainingsmethodisch auch durchaus zu vertreten – weniger ambitionierte sollten auf die Mitteldistanz im Vorfeld verzichten, weil die Regenerationsdauer zu lange wäre.
Viel mehr könnte es sein, dass der „kleine Bruder“ dem „großen“ Ironman, aus einem ganz anderen Grund schon bald den Rang abläuft:schon Mitte der 1970er Jahre wurde der Ruf nach den Extremen immer lauter. Immer mehr Menschen wollten einen Marathon laufen. Die Städtemarathons wurden größer und größer und es entstand eine Art Marathontourismus. Unterstützt von Industrie und Medien, wurde es immer moderner und damit „normaler“ dem früheren „Wahnsinn“ Marathon nachzueifern. Also musste eine neue Grenzerfahrung her. Der Ironman wurde geboren und sehr schnell erwachsen! Doch was, wenn der Mythos des Unerreichbaren erreichbar wird? Was, wenn man neben seiner Arbeit und seiner Familie noch mehr vom Leben erwartet, als Jahr für Jahr 15 Stunden und mehr pro Woche für einen Ironman zu trainieren? Was, wenn man doch eigentlich gesund bleiben wollte, aber die Dauergelenksschmerzen von 20 Marathons und dem Training dafür, einem genau das gegenteilige Gefühl vermitteln?Man sucht sich den goldenen Mittelweg. Und dieser dürfte im Laufsport beim Halbmarathon und beim Triathlon auf der Mitteldistanz liegen! Das Gefühl etwas Besonderes geleistet zu haben, sich aus der Masse hervorzuheben, ist dabei mit einem vertretbaren Maß an Training und damit auch an Gesundheit zu erreichen! Unterstützt wird diese Entwicklung durch gewiefte Veranstalter oder Vermarktungsagenturen, die aus den bislang im Schatten stehenden „kleinen Veranstaltungen“ nun auch Events machen! Der höhere Preis dürfte dabei keine Rolle spielen und die Tatsache, sich für eine Ironman 70.3 WM in Florida zu qualifizieren, betrifft auch nur die wenigsten. Was zählt ist das Erlebnis eines besonderen Tages inmitten eines großen Ganzen! Die Mitteldistanz hat noch großes Potential und wird Sportlern und Veranstaltern noch große Freude bereiten, wenn letztgenannte das Gespür und die Bedürfnisse ihrer „Kunden“ nicht verlieren! Denn auch hier liegt wohl in der Mitte und damit einem gesunden Preis – Leistungsverhältnis die Wahrheit und die Zukunft!
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