Die Sonne machte lange Schatten

Die Sonne machte lange Schatten

Franz Höfer und Lydia Waldmüller heißen die neuen Staatsmeister auf der Olympischen Distanz. Erkämpft haben sich die beiden den Titel auf der Wiener Donauinsel, wo Gerhard Seidl und sein Team drei Sprintdistanzen und sage und schreibe vier Olympische Distanzen an einem Tag organisierten und dadurch den 12. Juni nicht nur aufgrund der Hitze zum bisher heißesten Tag des Triathlonjahres machten. 

Ein Analyse der österreichischenStaatsmeisterschaften von Gerald Dygryn (Finisher, Juni 2010)

 

 

 

 

Die kleine aber feine Elite der österreichischen Triathlondamen- nur 13 Athletinnen standen auf der Starterliste - nahmen als erstes das Rennen im etwas trüben und 21° warmen Wasser in Angriff. Von Beginn an zeigte Lydia Waldmüller (Tri Kagran), dass sie gewillt war dem Rennen ihren Stempel aufzudrücken. Mit über einer Minute Vorsprung auf Irina Kirchner (1. Raika TTC Innsbruck) und Tanja Strohschneider (Tri Kagran) lief sie mutterseelenalleine die Treppen zur Wechselzone hinauf. Yvonne van Vlerken, die zwei Wochen zuvor St.Pölten im Sprint gewonnen hatte, war zu dieser Zeit schon beinahe drei Minuten zurück.

Stärke auf der Heimstrecke

Runde für Runde konnte man nun die 24 jährige Wienerin kämpfen sehen und hören. Weder Van Vlerken noch Kirchler war es möglich den Vorsprung in den sieben Runden verringern. Im Gegenteil: Waldmüller stieg mit dreieinhalb MinutenVorsprung auf die Tirolerin und deren sechs auf Van Vlerken vom Rad und lief von nun an einen ungefährdeten Premierensieg entgegen. Van Vlerken finishte wieder hervorragend und überholte Kirchler auf den letzten Metern. Vierte beim Rennen und Dritte der Staatsmeisterschaft wurde Romana Slavinec (CML Fincon).

Alles andere als Lückenbüßer

Der Junioren Europacup inklusive Nachwuchsmeisterschaft stand danach am Programm. Die Zusammenlegung von Europacup und ÖM ist ein sehr wichtiger Schachzug des ÖTRV. Er beinhaltet zwar den Nachteil, dass die schwimmschwächeren Youngsters Gefahr laufen auf der Radstrecke überrundet und den Regeln zu Folge zur Aufgabe gezwungen werden, gibt dafür aber die Möglichkeit den internationalen Entwicklungsstand unseres Nachwuchses betrachten zu können. Umso überraschender und erfreulich zu gleich war es deshalb, dass in der siebenköpfigen Führungsgruppe der Burschen vier Österreicher vertreten waren. Alois Knabl (Raika Tri Team Telfs), Andreas Kopeinig (HSV Triathlon Kärnten), Eric Bildstein (MP Team Dornbirn) und der Schwimmer Peter Nemeth (Team Zisser Enns) bestimmten das Rennen mit. Knabl, Kopeinig und der Ungar Mate Balogh schienen nach dem Radpart auch die schnellsten Beine zu haben. Ganz ihren Vorbildern aus dem Weltcup nacheifernd lieferten sich die jungen Burschen ein Ausscheidungsrennen von hoher Qualität, bei dem Alois Knabl nicht zu schlagen war und sich dadurch zum ersten österreichischen Junioreneuropacupsieger kürte. Andreas Kopeinig als Vierter, sowie Erik Bildstein als Elfter vervollständigten das wirklich erfreuliche Ergebnis. Sehen wir es auch als Zeichen des Fortschritts im heimischen Triathlon. Einen Fortschritt, den sich der ÖTRV aufgrund der stark verbesserten Strukturen in den letzten Jahren auch verdient hätte. Noch dazu, wo man im Moment im Elitefeld den Anschluss an die Weltklasse zu verlieren scheint. Volle Energie in den Nachwuchs muss das Rezept der Zukunft lauten, bewies doch auch bei den Mädchen die österreichsche Meisterin Lisa Perterer (HSV Triathlon Kärnten) als Sechstplatzierte des Europacups internationales Niveau.

Beinahe vollständig

Sieht man von Andreas Giglmayr ab, der sich auf die kommenden WCS Rennen in Europa vorbereitet, war der gesamt männliche Nationalkader vertreten, um nach der Krone des Meisters zu rittern. Und dieser Kader machte auch deutlich, was Kurzdistanzathleten vom Rest der Triathlonwelt unterschiedet. Sie schwimmen meist besser. Und auch wenn dies international gesehen relativ zu werten ist, so waren es doch die Cracks des Nationalkaders, die im Schwimmen zusammen blieben und mit 45 Sekunden Vorsprung auf die Radstrecke gingen. Einzig Christoph Lorbeer schaffte den Anschluss nicht. Franz Höfer (Tri Team Hallein), Paul Reitmayr (vom Mannschaftsstaatsmeister MP Team Dornbirn), Dominik Berger (SV Casino Kleinwalsertal), Lukas Hollaus (TV Zell/See), der frisch gebackene Dr. med. Christian Fridrik ( LTU Linz) und überraschender Weise Wolfgang Mangold (ATSV Tri Ternitz) machten auf dem Rad genügend Druck, um sicher zu stellen, dass der Sieger aus ihren Reihen stammen würde. Beim Laufen dominierte Höfer von Beginn an und konnte nach 1 h 52 min 16 sec seinen Titel erfolgreich verteidigen. Hollaus hielt sechs Kilometer mit, bekam dann aber Probleme und schloss sich am Ende selbst aus. Zweiter wurde Reitmayr vor Fridrik, der den favorisierten Berger überraschender Weise hinter sich lassen konnte. Doch damit war das Rennen noch lange nicht beendet 

Diskussionen danach 

Viel wurde nach dem Zieleinlauf über die Ergebnisse diskutiert und vor allem im Westen des Landes berichtet. Es wäre zwar schöner und wichtiger durch sportliche Leistungen zu überzeugen, aber Triathlon und seine Vertreter schaffen es in Österreich immer wieder anders in die Schlagzeilen zu gelangen. In diesem Jahr waren es drei Ereignisse, die von sich reden machten. Da war mal Lukas Hollaus, der von seinen Betreuern während des Laufs einen Asthmaspray zu sich nahm. Schade, dass er sich durch diese unerlaubte Hilfe seinen ersten Podestplatz bei dem Meisterschaften zunichte machte. Ein Athlet, der international startet, sollte wissen, dass Hilfe von außen nicht anzunehmen ist, dafür aber ein Asthmaspray einfach in den Anzug zu stecken ist. Hollaus wurde als ursprünglich Dritter nach einem Protest nachträglich aus dem Rennen g enommen. Ebenso geschah es mit Norbert Dominik, der für jeder Mann sichtbar, einen Meter vor der Startlinie und allen anderen Athleten das Rennen begann. Auf der einen Seite ist das Verhalten des 46 jährigen als ehemaliger Olympiastarter und Vorbild abzulehnen, auf der anderen Seite, sollten sich die Starter und Kampfrichter genügend Respekt verschaffen, um für alle Athleten schon im Vorfeld gleiche Bedingungen zu schaffen. Vielleicht wäre es gerade im Vorfeld des Ironman Austria, bei dem der Start der Profis immer problematisch abläuft, gut gewesen einmal ein Exempel zu statuieren.  Domnik wurde allerdings drei Tage danach wieder in die Ergebnisliste aufgenommen, nachdem das Schiedsgericht beschlossen hatte, dass ihm kein Vorteil durch seinen vorgelagerten Startplatz entstanden war.

Kirchler versus Waldmüller

Am heftigsten allerdings waren die Vorwürfe Kirchlers gegenüber Waldmüller. Von der Hilfestellung überrundeter Athletinnen und des Veranstaltermotorrades war die Rede. Auch Yvonne van Vlerken sprach Waldmüller ihre Leistung auf dem Rad ab. Alle diese Diskussionen sind dem Triathlon nicht förderlich und im Sport auch nicht üblich. Fakt ist, dass sich Waldmüller, Van Vlerken und Kirchler in einem Rennen befanden, das nach internationalen Kriterien und Regeln durchgeführt wurde. Sollte Waldmüller eine dieser Regeln nachweislich gebrochen haben, dann ist sie zu disqualifizieren. Da dies nicht geschehen ist, ist das Ergebnis zu tolerieren und man sollte sich mit Behauptungen und Vorwürfen zurückhalten, da auf der einen Seite in unserem Rechtssystem die Unschuldsvermutung gilt und auf der anderen Seite Athletinnen sich auch durch ein sportliches Verhalten in der Niederlage auszeichnen sollten. Hinterfrägt man ohne Beweise den Sieg Waldmüllers, so muss man als Außenstehender alle Siege, auch die ihrer Konkurentinnen, in jeder Richtung hinterfragen. Dagegen würden sich nicht nur alle Betroffenen zu Recht mit Händen und Füßen wehren, es würde auch den Sport an und für sich ad absurdum führen.

Abgesehen davon gibt es sowohl für Waldmüller als auch für Kirchler das selbstgesteckte Ziel der Qualifikation für die Olympischen Spiele in London. Beide scheinen nach den Ergebnissen der bisherigen WCS Rennen weiter davon entfernt als je zuvor. Seine Energie in mediale Streitigkeiten anstatt in seine sportliche Entwicklung  zu investieren, wirkt aus dieser Sicht unprofessionell und erschwert die Arbeit im Team.

Man kann nur hoffen, dass sich alle Beteiligten wieder bald aufs Wesentliche konzentrieren. Bis dahin sollten wir unser Augenmerk auf die wirklichen Sieger des Triathlonnachmittags richten. Auf die österreichischen Junioren und Juniorinnen nämlich, die eindeutig steigende Tendenz und das Bekenntnis zur absoluten Leistungsbereitschaft erkennen lassen.