Die Formel 1 des Triathlon
Die Formel 1 des Triathlon

Mit der 2009 gegründeten World Champion Series hat die ITU den Versuch unternommen den Olympischen Triathlon für Medien, Sponsoren und Athleten interessanter zu machen. Ein für Außenstehende schwieriger Wertungsmodus, vorhersehbare Renntaktiken und ein medientechnisch suboptimales Format, ließen das Ziel den Olympischen Triathlon zu einer weltweiten Trademark zu machen, dadurch aber nicht näher rücken.

Eine Analyse von Gerald Dygryn (Finisher, Mai 2010)

Nachdem seit 1989 20 Jahre lang die Triathlonweltmeister auf der Olympischen Distanz an einem Tag ermittelt wurden, kam es in der letzten Saison zu einer Regeländerung. Weltmeister darf sich seit 2009 derjenige nennen, der die meisten Punkte im World Champion Ranking sammelt. Dieses umfasst die sechs WCS Rennen Sydney (11.4.), Seoul (8.5.), Madrid (5./6.6.), Hamburg (17./18.7.), London (24./25.7.) und Kitzbühel (14./15.8.), sowie das große Finale in Budapest (8.-12.9.). Seit Einführung der Serie hat man es geschafft ein bis dato nicht erreichtes Preisgeld aufzutreiben. In diesem Jahr bekommen die Sieger jedes Rennens 18.000 Dollar, für den Finalsieg in Budapest gar 30.000 Dollar. Außerdem wurden internationale TV Rechte vergeben, die es ermöglichten die Rennen in vielen Ländern der Erde live mit zu verfolgen.

Kompliziertes Regelwerk

Leider – und hier beginnt die Misere für die öffentliche Aufmerksamkeit – hat man es bis heute nicht geschafft einheitliche Regeln zu erstellen, die einfach nachzuvollziehen sind und länger als ein Jahr Bestand haben. Die Zuseher müssen, um mit fiebern zu können, die Sportart verstehen. Sie müssen erkennen, wer am Ende der Sieger ist und das am besten ohne Taschenrechner. Streichresultate wie sie im Triathlon herrschen, sind nicht dabei weder hilfreich noch zeitgemäß. Zur Untermauerung der Komplexität hier ein  kleiner Auszug aus dem Regelwerk der ITU (siehe Tabelle): Maximal vier der sechs WCS Rennen können gewertet werden, wobei nur maximal drei davon auf dem gleichen Kontinent (?!) stattfinden dürfen. Mit Punkten werden bei der WCS Serie die ersten 40 Platzierten belohnt, die Sieger erhalten 800. Zusätzlich zu den vier WCS Rennen können noch (maximal) zwei Weltcuprennen in die Wertung eingerechnet werden. Unter Weltcup ist im Triathlon - und nur dort -nicht die höchste Klasse der sportlichen Auseinandersetzung zu verstehen, sondern der kleine WCS Bruder. Bei diesen weiteren sechs quer über den Globus verstreuten Rennen können jeweils die besten 30 Sportler in die Punktewertung kommen, wobei 80 antreten dürfen (beim WCS maximal 65). Die Sieger erhalten statt der 800 aber nur 300 Punkte. Damit wären es bis jetzt 6 zu wertende Rennen. Die bis dahin im Ranking 75 besten Damen und Herren dürfen dann am Ende der Saison noch im großen Finale gegeneinander antreten. Dort werden 50 Athleten gewertet und die Sieger erreichen 1200 Punkte. Das ganze wird noch garniert mit einer Cut Off Wertung, die besagt, dass man mit einem Zeitabstand von maximal 5% hinter dem Männersieger und 8% hinter der Damensiegerin sein darf und einer „Spezialistenwertung“ durch die, die jeweils besten Schwimmer, Radfahrer und Läufer aller Rennen am Ende der Saison gekürt werden sollen. Noch Fragen?

Spannungsfreies Rennformat

Triathlon ist eine vielseitige dynamische Sportart. Leider haben sich in den letzten Jahren stark vorhersehbare Rennverläufe ergeben, die die Spannung auf die letzten Kilometer des Laufs reduziert haben. Eine mehr oder weniger große Gruppe steigt aus dem Wasser, die halten je nach Anzahl und Namen der Beteiligten den Abstand zu den Verfolgern oder werden geschluckt und am Ende folgt ein Ausscheidungsrennen über 10 Kilometer. Triathlon läuft Gefahr langweilig zu werden, wenn man zumindest unter zehn Männern und fünf Frauen vorhersagen kann, dass am Ende die schnellsten Beine die Nase vorne haben werden. Doch wer will schon zwei Stunden ein Rennen verfolgen, bei dem die letzten 30 Minuten auch reichen würden? Ein Laufwettkampf mit Aufwärmen? Dazu sollte Triathlon nicht degradiert werden. Aufgrund der hochprofessionellen Arbeit, die im Triathlon seit der Einführung in das olympische Programm im Jahr 2000 in den federführenden Staaten stattgefunden hat, hat sich mittlerweile ein Athleten Typ entwickelt, der kaum mehr Schwächen hat. Die Läufer haben schwimmen gelernt und die Schwimmer laufen. Das ist gut so und gehört zum Erwachsen werden einer Sportart dazu. Um Triathlon aber wieder attraktiv zu machen, muss man an neuen Ideen arbeiten. Biathlon, unser winterlicher Verwandter, hat diesen Weg vor einigen Jahren durch das Entfernen von Streichresultaten und die Einführung von spannenden fernsehwirksamen Formaten vorgemacht. Triathlon muss nicht neu erfunden werden, aber ein wenig Pioniergeist alter Tage würde in der höchsten Spielklasse unseres Sports nicht schaden.

WCS Finale  WCS Rennen Weltcup
 Punkte bis Platz 50  40  30 
 Punkte für 1. Platz 1.200  800  300 
 Punkte für 2. Platz 1.110  740  278 
 Punkte für 3. Platz 1.027  685  257 
 Gesamt Preisgeld 250.000 USD  150.000 USD  ~50.000 USD 

Was bisher geschah

Titelverteidiger 2009:
Damen: Emma Moffatt (AUS) 4340 Punkte
Österreicherinnen: 75. Irina Kirchler, 98. Lydia Waldmüller
Herren: Alistair Brownlee (GBR) 4400 Punkte
Österreicher: 75. Andreas Giglmayr, 121. Franz Höfer, 125. Dominik Berger

WCS   Sydney (11. April 2010):
Herren:
1.    Bevan Docherty (NZL) 1:51:27 h (18:44 – 1:00:07 – 31:20)
2.    Alexander Brukhankov (RUS) 1:51:33 h (18:41 – 1:00:44 – 30:55)
3.    David Hauss (FRA) 1:51:34 h (18:39 – 1:00:42 – 31:01)
24. Andreas Giglmayr (AUT) 01:53:29 (18:51 - 01:00:02 - 33:28)
Damen:
1.    Barbara Rivero Diaz (CHI) 2:04:19 h (21:51 - 01:05:25 - 35:45)
2.    Andrea Hewitt (NZL) 02:04:19 h (21:18 - 01:06:02 - 35:44)
3.    Emma Moffatt (AUS) 02:04:20 h (21:27 - 01:05:58 - 35:45)

WCS Seoul (8. Mai 2010)
Herren:
1.    Jan Frodeno (GER) 01:51:49 h (19:25 - 01:01:47 - 29:08)
2.    Courtney Atkinson (AUS) – keine Zeit vorhanden, im Sprint geschlagen
3.    Brad Kahlefeldt (AUS) 01:52:17 h (19:30 - 01:01:46 - 29:32)
31. Andreas Giglmayr (AUT) 01:54:36 h (19:29 - 01:01:48 - 31:48)
Damen:
1.    Daniela Ryf (SUI) 02:00:59 h (19:53 - 01:06:05 - 33:23)
2.    Barbara Riveros Diaz (CHI) 02:01:02 h (20:02 - 01:05:58 - 33:24)
3.    Emma Moffatt (AUS) 02:01:04 h (19:46 - 01:06:15 - 33:26)
42. Lydia Waldmüller (AUT) 02:14:11 (20:13 - 01:09:43 - 42:16)

Gesamtwertung bis jetzt
Herren: 1. Alexander Brukhankov (RUS) 1326
2. Bevan Docherty (NZL) 1301
3. Dimitry Polyansky (RUS) 1175
31. Andreas Giglmayr (AUT) 210
Damen: 1. Barbara Riveros Diaz (CHI) 1540
2. Emma Moffatt (AUS) 1370
3. Andrea Hewitt (NZL) 1326