Abschied von Kate? - Abschied vom Erfolg?

Kate Allen Kitzbühel 2009Zwei große Rennen prägen das mediale Triathloninteresse Österreichs - der Ironman in Klagenfurt und das Weltcup Rennen in Kitzbühel. In diesem Jahr kam es deshalb dazu, dass der ORF an zwei Wochenenden hintereinander über mehrere Stunden Triathlon zum Thema hatte und auch, wenn die Reichweite des Rennens in Tirol nicht hervorragend war, sollte man sich über so viel mediale „Liebe“ und damit Aufmerksamkeit für Sponsoren und Partner freuen, solange es sie noch gibt.

Eine Analyse von Gerald Dygryn (Finisher, August 2009)

Hauptthema in diesem Jahr war der emotionale Abschied der Olympiasiegerin von 2004, Kate Allen. In Tirol begann ihre Triathlonkarriere, in Tirol sollte sie enden. Zwar wird sie noch die Rennen in Hamburg, wahrscheinlich London und sicher das WM Finale an der Gold Coast bestreiten, aber in Österreich ist mit Kitzbühel und dem 12. Juli Schluss mit Schwimmen, Radeln und Laufen, für eine der erfolgreichsten Sportlerinnen, die Österreich je hervorgebracht hat. Dass der endgültige Abschied im September in ihrer Heimat Australien stattfindet, schließt für Allen schicksalhaft einen Kreis, der ihr Leben und das Triathlon - Österreichs maßgeblich verändert hat. Nicht nur in den Augen der Wahlösterreicherin, konnte man am Wettkampftag Tränen erkennen. Auch der Himmel weinte. Schlimmer als die Damen am Sonntag, erwischte es allerdings die Herren am Tag davor. Der ansonsten durch warme Temperaturen gekennzeichnete Schwarzsee hatte nach dem unbefriedigenden Sommer bis dahin nur 19° und ließ damit die Athleten mit Neoprenanzug ins Rennen gehen. Zuerst allerdings nur fälschlich. Der Slowake Richard Varga hatte einen Fehlstart verursacht, dem beinahe alle Athleten folgten. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Sportlern der versammelten Weltelite legte somit zum Aufwärmen beinahe 400m im vollen Wettkampftempo zurück, bevor sie endlich von den zu wenig energisch vorgehenden Kampfrichtern in ihren Kajaks aufgehalten werden konnten.

Kate Allen Kitzbühel 2009
Allstarrennen

Viele der besten Triathleten unseres Planeten sind dem Ruf der Gamsstadt gefolgt. Der Führende in der Weltmeisterschaftswertung Alistair Brownlee (GBR) führte die Startliste vor dem eine Woche zuvor zum Europameister gekürten Javier Gomez (ESP) an. Aus Deutschland kommend wollten unter anderem der Olympiasieger von Peking Jan Frodeno, der Weltmeister von 2007 Daniel Unger und der in diesem Jahr sehr starke Maik Petzold die klare Luft der Tiroler Berge genießen. Alle Favoriten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Kurz: die Weltelite sowie sieben Österreicher waren vor Ort. Aufgrund der Möglichkeit der Wild Cards Vergabe bei Heimrennen hatte der ÖTRV es geschickt geschafft, beinahe den gesamten männlichen Elite und U23 Kader an den Start zu bringen. Staatsmeister Franz Höfer, Andi Giglmayr, Dominik Berger, Manuel Wutscher, Paul Reitmayr, Lukas Hollaus und Christoph Lorber stellten sich der Auseinandersetzung mit diesem Weltklassefeld. Doch schon nach einer der beiden Schwimmrunden war klar, dass es an diesem Tag für die meisten von ihnen schwierig sein würde. Varga schwamm, wissend, dass in der Wechselzone eine 15 Sekunden Strafe auf ihn wartete, allen davon. Dahinter formierte sich ein großes Feld mit allen Favoriten sowie den Österreichern Giglmayr, Höfer und Wutscher. Letzterer stieg als bester von den heimischen Athleten schließlich sogar vor Frodeno aus dem Wasser. Lorber hingegen gab in der ersten Runde weit zurückliegend auf und Hollaus stieg soweit abgeschlagen aus dem Wasser, dass er nach Solokampf am Rad am Ende dennoch überrundet aufgeben musste. Berger und Reitmayr verpassten knapp den Anschluss.

Rutschige Radstrecke

Es folgten acht Runden, die auf regennasser Straße von vielen Stürzen geprägt waren. Auch Höfer Manuel Wutscher Kitzbühel 2009und Giglmayr kamen aufgrund eines Fahrfehlers des unmittelbar vor ihnen befindlichen Fahrers unschuldig zu Sturz und mussten wenig später das Rennen beenden. So blieb ein wie immer sehr aktiv fahrender Manuel Wutscher als jüngster die einzige, heimische Hoffnung. Der Portugiese Pais, der Tscheche Janour und der Franzose Vidal suchten ihr Heil in der Flucht. Sie konnten damit zwar Sprintprämien lukrieren, aber das Rennen wurde beim Laufen entschieden. Sofort nach dem Wechsel zog in seiner unnachahmlichen Art der ältere Brownlee (21 Jahre) auf und davon. Er flog förmlich an den Ausreißern vorbei und konnte in Kitzbühel sein drittes Rennen der WM Serie für sich entscheiden. Gomez (-8 sec) und Vidal (-11 sec) folgten ihm aufs Podium, gefolgt von den Deutschen Petzold und Unger. Frodeno gab entkräftet nach dem Rad fahren just in dem Moment auf, als Wutscher an ihm vorbeilief. Dieser wurde von der Kälte und einem kleinen Hungerast im Laufen bis auf Platz 43 zurückgereicht. Der am Ende beste Österreicher Dominik Berger konnte ihn noch knapp überholen und wurde 42. Trotz der noch offensichtlichen Schwäche beim Laufen, macht es Hoffnung, dass zumindest einer der jungen Wilden in zwei Disziplinen mit den Besten mithalten kann.

Sonntag ist Damentag

Größer waren die Hoffnungen auf einen österreichischen Erfolg bei den Damen. Neben Kate Allen standen noch die Tiroler Staatsmeisterin 2009 Irina Kirchler und die 23-jährige Wienerin Lydia Waldmüller am Start. Auch hier waren die WM Führende Emma Moffatt (AUS) und die frischgebackene Europameisterin Nicola Spirig (SUI) gekommen. Von den ganz großen Namen fehlte nur Emma Snowsill, die die Rennen in Europa ausließ, um sich auf das große Finale in ihrer Heimat vorbereiten zu können. Der Start glückte und dennoch folgte eine Raketenzündung. Ein neuer Name am Triathlonhimmel, Hayley Peirsol (USA) - ja es ist die Schwester von Aaron, dem Freund unseres Markus Rogan, der ihm in Athen zwei Mal Gold über die Rückenstrecken wegschnappte - schwamm wie von einem Motor angetrieben durch den Schwarzsee. Sie ist eine der wenigen Frauen, die in der Geschichte 1500m unter 16 Minuten im Becken zurücklegte und zeigte ihre Dominanz, indem sie dem Rest des Feldes über eine Minute (!) abnahm. Waldmüller verlor deren zwei, Allen 2 min 19 und Kirchler über drei Minuten. Damit schien auch hier das Schicksal der Österreicherinnen besiegelt. Anders zum Herrenrennen schafften aber bei den Damen auch die hinteren Verfolgergruppen den Anschluss nach vorne. Nicht ganz unschuldig daran war Kate Allen selbst, die den drittbesten Split in dieser Disziplin schaffte. So entsprach im Ziel die Laufleistung der Gesamtplatzierung und dabei war Emma Moffatt nicht zu schlagen. Sie gewann vor Spirig und der Siegerin von 2007 Andrea Hewitt (NZL). Während Kirchler nach dem Rad fahren abgeschlagen aufgab und Waldmüler über den 37. Platz nicht hinauskam, konnte sich Kate Allen mit einem siebenten Platz würdig von ihrem Publikum verabschieden und riss einmal mehr die österreichischen Kastanien aus dem Feuer. Man kann nur hoffen, dass ihr Abgang nicht eine allzu große Lücke in der heimischen Triathlonszene hinterlässt. Von Europameistertiteln und Olympiasiegen wird man aber in den nächsten Jahren sicherlich nur träumen können.